Historie der Lyme-Borreliose

 

Lyme-Borreliose wurde 1975 zum ersten Mal in den USA im Anschluss an einen Ausbruch von jugendlicher rheumatischer Arthritis in der Nähe der Gemeinde Lyme im Bundesstaat Connecticut erkannt. Der ländliche Standort der „Lyme-Arthritis“ - durch den Ausbruch von Krankheiten während des Sommers - deutete darauf hin, dass die Übertragung durch Zecken erfolgte. 1981 wurde der Keim der Lyme-Krankheit von Willy Burgdorfer entdeckt, einem schweizer Forscher und Borreliosespezialisten.

Burgdorfer isolierte zum Genus Borrelia gehörende Spirochäten (schraubenförmige Bakterien), die in den Eingeweiden der Schildzecke leben. Durch die Vielzahl an Symptomen, wie z. B. Herzrhythmusstörungen, Gedächtnisstörungen, chronische Müdigkeit, etc. wurde die Krankheit in „Lyme-disease“ umbenannt.

Die Gattung Borrelia burgdorferi (= Borellia sensu stricto) wird in Verbindung mit den Borrelienstämmen gebracht, an denen im Tierseuchenlabor auf der Insel Plum Island in den 50er-Jahren experimentiert wurde. Hier wurde u. a. an bakterieninfizierten Zecken experimentiert, die als Biowaffe eingesetzt werden sollten. Plum Island liegt nur 9 Meilen von Lyme entfernt. Wissenschaftler in den USA vermuten, dass der Erreger durch Zugvögel und Wanderbewegungen von Wildtieren auf das Festland gelangt ist. Die ersten Krankheitsfälle traten am Hafen auf, der Fährverbindung zu Plum Island. Das Labor auf der Insel ist inzwischen nicht mehr in Betrieb.

Krankheitsfälle mit Wanderröte (Erythema migrans) und Acrodermatitis chronica atrophicans (Pergamenthaut) gibt es schon seit mehreren hundert Jahren. Zur Zeit sind ca. 30 Borrelienarten bekannt, die 1907 nach dem franz. Bakteriologen Amédée Borell benannt wurden. Die Vielzahl der Symptome und die Erregerpersistenz haben sich aber offensichtlich erst in den 1970er Jahren entwickelt. Die Lyme-Borreliose ist die häufigste chronisch verlaufende bakterielle Infektionskrankheit in Europa und aufgrund ihrer Symptomvielfalt oft fehldiagnostiziert und deshalb oder auch grundlegend falsch behandelt.